Wigo
- Die Liebe stirbt zuletzt!
von
Marleen van Barneveld
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20)
Nach
seinem Vortrag offenbarte Wigo dem Professor und Luna, dass
er in den letzten Monaten sehr viel erlebt hatte, ja sogar
mit den berüchtigten „Men in Black“ hatte er seine Erfahrungen
gemacht. Aber dabei sollte es nicht bleiben, denn auch der
Professor Rosebär und Luna sollten mit diesen geheimnisvollen
Schwarzen Männern zusammentreffen...und das sogar noch schneller,
wie sie alle dachten!
Die
Men in Black – von Angesicht zu Angesicht
Bevor
Rosa irgendetwas sagen konnte, legte Wigo seinen Finger
auf den Mund und sagte: „Bitte, lass’ uns jetzt leiser sprechen.“
„Du
hast die Men in Black fotografiert?“ flüsterte Rosa erschüttert.
Mit
hastigen Handgriffen verstaute Rosa die Fotos wieder ins
Kuvert und gab es Wigo zurück.
Der
winkte ab und sagte: „Ich schenke sie dir, behalt sie nur!“
„Auf
keinen Fall, Wigo, nimm die Fotos ruhig wieder zurück, denn
die Men in Black sind heißer als wenn ich mit einem Kilo
Heroin im Flugzeug von A nach B reisen würde. Mit diesen
Herrschaften ist nicht gut Kirschen essen. Die sind skrupellos
und schrecken vor nichts zurück!“
„Ach
was! Nun stell’ dich doch nicht so zickig an, Rosa“, murmelte
Wigo hinter geschlossenen Zähnen.
Als
Rosa etwas erwidern wollte, stieß ihn Luna von der Seite
an und sagte: „Bevor ihr euch noch in die Haare kriegt,
schaut mal lieber aus dem Fenster.“
Draußen
am Straßenrand auf der gegenüber liegenden Seite parkte
eine schwarze Limousine. Wie viele Leute im Auto saßen,
konnte man vom Restaurant aus nicht sehen, denn die Autofenster
waren schwarz getönt.
Vor
der Limousine standen jedoch zwei Leute. Sie lehnten gemütlich
am Auto und sahen wie hypnotisiert zum Restaurant rüber.
Sie trugen schwarze Anzüge und dunkle Sonnenbrillen. Was
besonders an ihnen auffiel, waren die kalkweißen Gesichter
dieser Leute und ihre Kopfbedeckungen, die sie trugen, diese
breitrandigen schwarzen Hüte.
„Mir
wird ganz mulmig in der Magengegend“, wisperte der Professor.
„Und
nun?“
Fragend
blickte er Wigo an. Dieser grinste nur breit und fragte,
wo sie ihr Auto stehen hätten. „Nicht weit von hier“, beschrieb
Luna und wies mit ihrem Finger in die andere Richtung, wo
die M.I.B.’s standen.
„Dann
wollen wir mal gleich unsere Beine in die Hand nehmen und
losspurten. Laufen können die da draußen nämlich gar nicht,
denn bevor sie uns einholen, hat das Asthma sie schon ausgelaugt.
Und sollte es einen von denen doch noch gelingen, uns am
Rockzipfel zu fassen zu kriegen, dann schlagt ihnen die
Brillen runter, denn das Sonnenlicht macht sie blind.“
„Du
hast also schon einige Erfahrungen mit ihnen gemacht“, stellte
Rosa mit Genugtuung fest. „Das kann ich wohl sagen“, erwiderte
Wigo und lachte dabei über’s ganze Gesicht. „Ich habe gewusst,
eines Tages würden sie wiederkommen!“
„Na,
dann“, sagte Rosa, „dann wollen wir mal aufbrechen.“
Sie
standen an der Eingangstür des Restaurant’s. „Einen Moment“,
meinte Rosa. „Am besten ist, ich zähle bis drei, und dann
stürmen wir gemeinsam zum Angriff!“ Die letzten Worte von
ihm gingen schon in einem glucksenden Lachen unter.
„Eins,
zwei...“, Rosa holte nochmal tief Luft: „...Drei!“ Er riss
die Tür auf und sie stürmten hinaus, gleich links die Strasse
hoch.
Schon
hörten sie laute Tritte über den Asphalt jagen, als Rosebär
links aus dem Augenwinkel herauss eine schwarze Gestalt
erblickte. Er stolperte, konnte sich noch fangen, aber das
nützte ihm wenig. Die schwarze Gestalt hatte ihn eingeholt
und stand nun vor ihm. Rosa blieb auch stehen und starrte
den anderen wie ein giftiges Reptil an.
Er
wusste, dass er nun wohl zuschlagen musste. Und er handelte
so schnell , wie er nur handeln konnte. Seine rechte Hand
sauste zum Knirps, den er mit der linken krampfhaft festgehalten
hatte. Er riß den Arm hoch und ließ den Schirm auf den Kopf
des MiB niedersausen.
„Da
hast du deinen Teil, und noch einen!“
Der
MiB war total verblüfft, er hatte mit dieser Reaktion seines
Gegenübers nicht gerechnet. Er starrte den Alten an und
fiel wie ein schlecht montiertes Regal in sich zusammen.
Rosa beugt sich noch über ihn um zu sehen, ober auch wirklich
k.-o. war.
Da
sah er aus dem Augenwinkel, wie der nächste MiB auf ihn
zukam. Rosa dreht sich um ... zu spät! Eine eiskalte Hand
packt ihn an sein Handgelenk und schleuderte ihn auf die
Strasse.
Rosa
blieb jedoch nicht liegen, er rappelte sich sofort wieder
hoch und wirbelte herum. Der MiB stand nur da, er grinst
und zog die Oberlippe hoch, die stark geschwollen war. Der
MiB grinste in einer Weise, dass es Rosa eiskalt über den
Rücken lief.
In
dem Moment näherte sich Wigo. Der MiB drehte sich plötzlich
um, aber da hatte Wigo schon zugegriffen. Die Sonnenbrille
des MiB flog zu Boden und der hielt sich mit beiden Händen
die Augen zu und fing an zu schreien. Er taumelte hin und
her, machte eine Drehung und fiel dann zu Boden.
„Siehst
blass aus, meine Junge“, sagte Wigo wenig später zu Rosa
und fing an zu lachen. Der Alte murmelte etwas vor sich
hin und meinte dann nur: „Ich geh’ dann mal schon zum Auto
zurück.“
Jetzt
sah Wigo, wie Luna an der gegenüberliegenden Wand lehnte
und ziemlich mitgenommen aussah. „Sie sieht hübsch aus“,
dachte er und ging langsam auf sie zu. Er blieb ganz nahe
vor ihr stehen.
„Ich
denke, wir haben uns eine Menge zu erzählen.“ Er streichelte
ihr bei diesen Worten sacht über ihr hellbraunes Haar. Sie
fing leise an zu schluchzen. Dieser Überfall der Men in
Black war ihr zuviel gewesen. Jetzt, wo der Stress nachließ,
rollten ihr die Tränen nur so über die Wangen.
„Wie
schön du bist“, flüsterte er ihr zu. Er nahm ihre Hände
und hielt sie fest und sah ihr dabei zärtlich und suchend
in die Augen. Sein Blick wurde aber nicht mit derselben
Zärtlichkeit erwidert, und plötzlich wusste er, dass ihre
Zuneigung zu ihm reine Freundschaft war. Nicht mehr, aber
auch nicht weniger.
Langsam
ließ er ihre Hände los und sagte dann: „Komm Luna, wir wollen
zum Auto gehen.“ Dankbar lächelte sie ihn an, und folgte
ihm die Strasse hoch.
Schockierender
Angriff
Der
Automotor brummte leise vor sich hin. Der Professor begann
zu sprechen: „So unerfreulich wie der Gedanke ist, aber
wir müssen wohl damit rechnen, noch öfters mit den Man in
Black in Kontakt zu kommen. Man erzählt sich, dass sie von
der Regierung angeheuerte Filmkomparsen sind.“
„Hollywoodkomparsen?“,
wiederholte Wigo. „Direkt eingeflogen aus den USA um Bekanntschaft
mit deinem Regenschirm zu machen. Das wäre witzig!“ Und
er fing schallend an zu lachen.
„Ha,
ha, ha“, machte Rosebär ihn nach. „Bis jetzt sind sie noch
in jedem Land aufgetaucht und haben Leute besucht, die UFOs
gesehen haben.“
„Immerhin
rufen sie vorher an, Rosa.“ Und Wigo war belustigt über
diesen Gedanken.
„Du
hast gut reden. Nimmst wohl alles auf die leichte Schulter!“
„Nicht
alles“, erwiderte Wigo kaum hörbar. Sein Handy piepte. Er
schaute aufs Display und sein Gesicht wurde zu einem großen
Fragezeichen, als er das Gerät abschaltete.
„Eine
gute Nachricht?“
Wigo
schaute direkt in Luna’s Augen, die er in ihrem Rückspiegel
sah. „Nein, ich glaube nicht“, sagte er nachdenklich.
„Wie
lange dauert es noch bis wir in die nächste Ortschaft kommen?“
„Nur
ein paar Kilometer noch“, erwiderte sie ihm.
„Kannst
du etwas schneller fahren, Luna?“
„Ja
doch“, sagte sie und legte den vierten Gang ein. Der Wagen
schnurrte wie ein Laufwerk davon. „Warum nimmst du denn
jetzt das Gas weg, Luna?“, fragte er sie gleich danach.
„Es
will uns jemand überholen, und ich habe noch nicht so ein
Tempo drauf, da lass’ ich ihn eben vorbei fahren.“ Wigo
drehte sich um und schaute aus dem Rückfenster.
„Wenn
du das siehst was ich eben gesehen habe, dann trittst du
jetzt besser aufs Gaspedal!“
Erschrocken
über seine Worte schaute sie kurz in den Außenspiegel und
drückte voll auf die Tube. „Meine Güte, hatte ich denn keine
Augen im Kopf, dass ich die nicht erkannt habe“, antwortete
sie nervös.
„Mach’
dir keine Vorwürfe. Sie sind Meister im Versteckspielen.
Für jede Szene haben sie eigene Masken.“ Luna drückte das
Gaspedal bis zum Anschlag durch. Der Wagen machte einen
Satz nach vorn, wie ein brüllender Löwe der seine Beute
packt.
Der
Professor drehte seinen Kopf nach hinten. Die Angst stand
ihm ins Gesicht geschrieben als er die Man in Black im Wagen
hinter ihnen erblickte. Im nächsten Moment hörten die drei
ein Krachen, Bersten und Knirschen.
„Sind
die total verrückt geworden?! Die sind uns hinten drauf
gefahren! Trete’ durch, Luna! Trete’ durch!”, schrie der
Professor.
Die
Limousine hatte sie bei voller Beschleunigung erwischt.
Und die Wucht des Aufpralls spürten sie bis in die Magengrube.
Der kleine rote Flitzer von Luna war ins Schleudern geraten
und wollte zur Seite ausbrechen. Fünf Sekunden lenken und
gegenlenken, dann hatte sie den Wagen wieder unter Kontrolle.
Danach
setzte die schwarze Limousine zum Überholen an. Auf gleicher
Höhe mit Luna’s Auto schoss der Wagen zur Seite und rammte
das kleine Fahrzeug mehrere Male. Dann fuhr die Limousine
langsamer und ließ dem roten Flitzer einen kleinen Vorsprung,
mal gerade soviel, dass der schwarze Wagen in halsbrecherischer
Fahrt zurückkam, um den roten Kleinwagen wieder von der
Seite aufs Korn zu nehmen.
Der
rechte Kotflügel der schwarzen Limousine bohrte sich ins
Heck und in die Fahrertür. Es gab ein lang gezogenes knirschendes
Klirren. Luna trat aufs Gaspedal, aber der kleine Wagen
hatte nicht die nötige Leistung, um von der Blechwalze wegzukommen.
Dampf
stieg aus dem Kühler hoch und die Motorhaube vibrierte.
Rosebär stand der Schock ins Gesicht geschrieben. „Sie werden
uns umbringen“, wisperte der Professor.
„Dieses
Mal nicht“, war sich Wigo sicher!
Plötzlich
schoss die Limousine davon und fuhr weit voraus, stoppte
dann mit rauchenden Reifen und hielt mitten auf der Strasse
an. „Fahr’ ruhig an denen vorbei, Luna“, meinte Wigo.
Ihr
roter Wagen erreichte kurz darauf die schwarze Limousine.
Dort ging ein Seitenfenster runter und ein grinsend, wissendes
Gesicht starrte Wigo an.
Dann
ging das Fenster wieder hoch und die Limousine schnellte
wie aus einem Katapult geschossen davon. Der Wagen wurde
immer kleiner, je weiter er sich aus ihrem Blickfeld entfernte.
Plötzlich erhellte ein grelles Licht die Schnellstrasse.
Instinktief trat Luna auf die Bremse und ließ den Wagen
langsamer werden.
Dieses
Licht überstrahlte alles. Dicke Stränge sich überkreuzende
Laserstrahlen durchfluteten das Licht. Unerwartet wurde
es schwächer, bis es wie ausgeknipst erlosch. Die vor ihnen
liegende Strasse war nun leer.
Fortsetzung
folgt