Wigo
- Die Liebe stirbt zuletzt!
von
Marleen van Barneveld
Folge
1
Heute Nachmittag war es still auf den
Wegen. Im Gedanken sah Wigo seine Kindheit, wie er als Junge
gerne in den Kieskuhlen spielte und nebenbei die schönsten
Steine mit nach Hause nahm. Er hatte sie noch alle. Aber
vor allen Dingen die weite Landschaft hatte es ihm angetan.
Hinter den ausgedienten Kieskuhlen gab es Äcker und
reichlich Wald. Früher, als er mit seinen Eltern hier
noch wohnte, ging er mit seiner Mutter oft in den Wald um
Pilze zu sammeln. Später sind sie in die Stadt gezogen,
aber das ist alles schon ein paar Jahre her. Die Erinne-rung
daran ist ihm geblieben und schon oft wollte er sich die
Zeit nehmen um dahin einmal zurückzukehren. Doch wie
es meistens so im Leben ist, es kommt immer wieder etwas
anderes.
Die
erste Begegnung
Seit
einiger Zeit saß Wigo nun schon oben am Kieskuhlenrand.
Ein Baumstumpf gab ihm die Rückenlehne. In weiter Ferne
sah er einen aufgeworfenen Sandhügel. Der Himmel hatte
ein azurblau und es war so still, daß Wigo einschlief.
Als
er erwachte, wußte er gar nicht so recht, was ihn
wach gemacht hatte, doch als er seinen Kopf nach links wendete
sah er sie. Sie saß nur da und lächelte ihn an
und aus ihrem Blick strahlte soviel Liebe und Herzlichkeit
wie er es noch niemals zuvor erlebt hatte. Es ging eine
Vertrautheit von ihr aus, die wie eine elektrische Welle
über ihn lief. Er lächelte vor sich hin und dachte
gleichzeitig: wäre es nur wahr, was ich hier fühle;
wäre es nur wahr, daß sie dort sitzt.
Dann
stand sie neben ihm und sagte: "Sie habe ich hier
noch nie gesehen. Ich freue mich, daß ich Ihnen
hier begegnet bin. Wir werden eine gute Zeit haben!"
Dann
streckte sie ihm ihre Hand zum Gruß hin und sagte:
"Mein Name ist Luna, ich wohne dort drüben
hinter dem Bu-chenwald und wenn Sie wollen begleiten sie
mich dorthin und ich bereite uns einen guten Tee."
Er
schaute sie immer noch lächelnd an und sagte: "Ich
komme gerne mit! Ich freue mich auf den Tee!"
Sie
hatten den Wald verlassen und gingen die Senke hinunter
zu ihrem Haus. Dann sagte er: "Früher, zu meiner
Zeit, stand hier kein Haus!"
"Ja
das stimmt, dieses Haus ist neu. Ich habe damals das Land
gekauft, das alte Haus abreißen und dieses Haus bauen
lassen."
"Sie
haben einen schönen Garten," hörte er sich
sagen, "und so viele Bohnen an den Ranken, soll ich
Ihnen beim Ernten helfen? Ich habe jetzt Zeit. Ich habe
näm-lich Urlaub genommen."
"Ja,
ich weiß, Wigo" sagte sie geheimnisvoll.
"Woher
wissen Sie, daß ich Urlaub ha-be . . . und daß
ich Wigo heiße, Luna?"
Sie
überging diese Fragen mit einem wissenden Lächeln
und bat ihn einzutreten.
In
der Eingangshalle sah er die Art Lam-pen, die er aus seinem
Restaurant kannte und die ihm da schon faszinierten wegen
ihrer Ausstrahlung. Doch als er den großen Raum betrat,
der hinter der Halle lag, war er überwältigt.
Der ganze Raum erstrahlte herrlich vom Licht der Lampen.
Überall wo seine Augen umherschweiften sahen sie orange
Lichtquellen. "Bitte nehmen Sie doch Platz. Bitte
setzen Sie sich doch hier hin, wenn es Ihnen recht ist,
so haben sie den schönsten Blick auf die Salzlampen.
Ich gehe jetzt und hole den Tee, einen Augenblick bitte."
Als
sie wieder hereinkam sagte sie ganz unverhohlen zu Wigo:
"Wie schade, daß Sie die Aura der Lampen nicht
sehen können, denn dann würden Sie jetzt zusätzlich
noch sehr viele violette breite Strahlen über und um
den Lampen herum sehen die bis zur Decke reichen."
"Haben
Sie die Lampen immer an?", fragte er sie. "Ja,
außer nachts. Kennen Sie die Bedeutung einer brennenden
Salzlampe?", fragte Luna.
"Nein,
kenne ich nicht", gab er verlegen zu. "Doch es
wäre sicher interessant für mich, wenn Sie mir
etwas darüber erklären könnten, denn ich
kenne diese schönstrahlenden Lampen und ich hatte mir
schon überlegt, eine zu kaufen." Und dabei lächelte
er sie immer noch freundlich an.
"Wenn
Sie sich eine kaufen, achten Sie darauf, daß sie ziemlich
groß ist und etwa 6 Kilogramm wiegt. Dann hat sie
nämlich einen Raumwirkungskreis von etwa 15 Kubikmeter.
Gerade genug um einen mittleren Raum die nötige Intensität
für einen negativen Ionenaustausch zu gewährleisten",
stellte sie fest und nahm dabei einen Schluck aus ihrer
Teetasse. "Aha", erwiderte er trocken und nahm
auch einen Schluck Tee.
Luna
sprach weiter: "Sie müssen sich vorstellen,
daß in jedem Raum kleine unsichtbare Tierchen herumfliegen.
Die einen haben eine hellgrüne Farbe und sind gut für
unsere Lungen. Die anderen sind dunkelblau und schädlich
für die Lungen. Sie können sich wohl vorstellen,
wie sie sich fühlen eine Raumluft einzuatmen, wo sehr
wenig gelüftet wurde. Die Luft ist abgestanden, sie
ist eigentlich tot. Diesen Zustand verursachen die dunkel-blauen
Kleinstlebewesen, die haben näm-lich die hellgrünen
Tierchen im Laufe eines Tages verschlungen. Eine Salzlam-pe
hingegen vereitelt diese aufkommenden Situationen. Sie müssen
sich die Raumluft so vorstellen als wenn sie an der Nordsee
wären."
"Interessant,
was Sie mir da erzählen. Wie ich sehe, haben Sie auch
ein Fabel für Edelsteine, Kristalle und Pflanzen",
ant-wortete Wigo und schaute dabei in die Runde.
"Ja,
das stimmt, Wigo, das haben Sie sehr gut erkannt. Salzsteine,
Edelsteine und Kristalle sind Lebensformen aus dem Innern
der Erde. Wissenschaftler sehen in der Erde oft nur eine
Kugel aus Erde, Stein und Wasser, die durch den Raum gleitet,
während sie in Wirklichkeit ein lebendiger Organismus
ist, ein Wesen das eine sehr hohe Entwicklungsstufe erreicht
hat.
Sie
muß zur Zeit furchtbar leiden, weil ihre Kinder, also
Sie und ich, sich nicht genü-gend um sie gekümmert
haben. Wir beuten sie um unserer eigenen Befriedigung willen
aus und kümmern uns nicht darum, ob für die nachfolgenden
Generationen noch etwas übrigbleibt.
Wir
schneiden ihr die Haare, lassen Atombomben in ihrem Bauch
explodieren, die wiederum Erdstöße hervorrufen
und den Nordpol um drei bis vier Meter verrücken. Des
weiteren saugen wir ihr das Mark ab um unsere Fahrzeuge
fortzubewegen und um unsere Häuser zu beheizen. Wir
verunreinigen ihr Blut und ihre Lunge. Auf diese Weise bringen
wir den Körper von Mutter Erde aus dem Gleichgewicht.
Die Aura der Erde ist mit dunklen Flecken durchzogen. Eine
so geschädigte Aura kann dem Körper nicht mehr
dienlich sein und er wird krank.
So
ist es auch interessant zu sehen, wie die Aura eines Menschen
aussieht, wenn er unter Streß steht. Doch muß
man gleichzeitig sehr vorsichtig sein im Deuten der Farben.
In Ihrer Aura habe ich ein dunkles Braun gesehen. Und als
sie mir vorhin erzählten, daß sie Urlaub haben
nach zu vieler Arbeit, deckte sich meine Schlußfolgerung
mit Ihrer Aussage, nämlich daß sie einen Urlaub
aus körperlichen Gründen dringend nötig haben."
Sie
griff wieder zu ihrer Teetasse und nippte mehrmals daraus.
Dann setzte sie die Tasse ab und schenkte sich aus der Teekanne
nach. Während sie das tat, musterte Wigo Luna unverhohlen.
Sie bemerkte seine Blicke und erwiderte sie nicht. Sie tat
geradeso, als würde sie seine Musterungen nicht bemerken.
Nachdem sie die Kanne wieder auf den Tisch abgesetzt hatte,
meinte er unvermittelt: "Und, gab Ihnen meine Aura
auch die Auskunft meines Namens?" "Nein, Wigo,
das erzählte mir mein Geist, mein wahres Ich!"
Tiefes
Wissen
Während
sie ihre Tasse zum Mund führte und sie ihn mit strahlenden
Augen anblick-te, konnte sie sichtlich seine aufkommen-de
Unsicherheit spüren. "Gedanken sind elektrisch,
sind wie Sender und Empfän-ger", sprach sie weiter.
"Wenn meine Seele aus meinem Körper tritt und
auf die Reise geht, das kann im Traum sein, nachts wenn
ich schlafe, oder auch am Tage, wenn ich mich in eine Meditation
vertiefe, dann kann sich der eigentliche Mensch von seiner
Körperhülle abkoppeln und um die ganze Welt reisen...und
wenn er geistig dazu fähig ist, durch den ganzen Kosmos!
Auf diese Weise bin ich Ihnen begegnet und habe ihren Namen
erfahren!"
"Eben
sagten Sie 'Seele' und vor-her 'Geist'. Gibt es da einen
Unterschied?"
"Der
Geist hat einen Körper, der Seele heißt. Der
Geist benutzt den Körper um ihn funktionieren zu lassen."
Er dachte schweigend nach und sie fuhr fort:
"Diesen
Vorgang kann natürlich nur jemand sehen, der hellsehen
kann. Im Prinzip können wir alle hellsehen, nur ist
uns diese Gabe im Laufe der Jahrtausende verloren gegangen.
Denn was jemand hellsehend erfasst, sieht der Mensch nicht
durch seine Augen, sondern der innere Mensch sieht durch
seine inneren Augen. Das eigentlich wahre Leben ist das
geisti-ge Leben. Wir sind im Bilde Gottes erschaffen. Gott
ist ein Geistperson. Infolgedessen sind auch wir Geistpersonen.
Entweder haben Geistpersonen - dazu zählen auch die
Engel und die Außerirdischen - die Gabe sich zu materialisieren
oder sie werden in einen Erdenkörper hineingeboren.
Sie müssen sich also vorstellen, daß Ihr Geist
mit seinem Seelenkörper in einen Mantel geschlüpft
ist, der 'angenähte' Strümpfe, Handschuhe, Kapuze
und Gesichtsmaske trägt. Wenn nun also ein Handschuh
etwas beschädigt ist, sagen wir mal ihm fehlt der Daumen
durch einen Unfall, dann ist die Geistper-son auch nicht
mehr in der Lage diesen Daumen im Handschuh zu bewegen,
obgleich sie ihn als Geistperson besitzt. Darum kennen solche
Menschen auch den sogenannten Phantomschmerz."
Nachdenklich
schwieg Wigo weiterhin. Dann griff er wie automatisch zur
Teetas-se, nahm einen Schluck, schaute dann auf seine Uhr
und sagte leise: "Es ist schon spät geworden,
Luna. Ich möchte morgen gerne wiederkommen, ist Ihnen
das recht?"
"Ja,
ich möchte, daß Sie wieder kommen, Wigo. Bitte
warten Sie hier einen Augen-blick ich möchte Ihnen
etwas ge-ben." Dabei drehte sie sich um und ging aus
dem Raum. Er schaute ihr gedanken-verloren hinterher. Sie
war aber gleich zurück und übergab ihm einen rostbrau-nen
Beutel. "Hier bitte, Wigo, das möchte ich Ihnen
geben. Wenn Sie jetzt nach Hause fahren, nehmen Sie den
rötlichen Stab in die rechte und den silbrigen in die
linke Hosentasche."
Er
nahm ihr den Beutel lächeln aus der Hand holte die
Stäbe einzeln heraus und steckte jeden Stab nach ihrer
Anweisung an seinen angewiesenen Platz.
Dann
lächelte er sie noch einmal an, öff-nete die Tür
und ging. Draußen war es bereits dämmerig. Er
stieg auf sein Rad, drehte sich noch einmal zu ihr um, winkte
und fuhr davon.
Die
nächste geheimnisvolle Begegnung
Es
war schon 11 Uhr mittags als Wigos Mutter endlich die Treppen
zu seinem Zimmer hoch kam. Er hörte es an ihrem Gang,
daß sie es war. Leise klopfte es an der Tür.
"Komm herein Mutter, ich bin wach." Wigos Mutter
trat herein und sprach ihn an: "Du hast lange geschlafen!"
"Ja
Mutter, aber ich bin auch schon lange wach".
"Woran
hast Du denn gedacht, mein Schatz? Sicherlich hast Du gestern
große Entdeckungen in den Sandkuhlen ge-macht, die
nun Dein ganzes Leben verändern werden?"
Wigo
schaute seine Mutter geheimnisvoll an und sagte: "Im
wahrsten Sinne des Wortes, Mutter. Ich habe gestern an der
ausgedienten Kieskuhle eine seltsame Begegnung gehabt, die
mein weiteres Leben mit Sicherheit beeinflussen wird. Ich
fühle es hier drinnen", und er legte seine Hände
aufs Herz und auf den Bauch. "Von hier aus ist eine
Kraft in mir empor-gestiegen, die meinen ganzen Körper
mit Harmonie und Freude erfüllt!"
"Du
hast Dich also verliebt, Wigo?"
Er
wollte seine Mutter nicht beunruhigen und sagte deswegen:
"Ja, Mutter, ich habe mich verliebt, doch es wird noch
eine Weile dauern bis ich Dir Luna vorstel-le, so heißt
sie nämlich!"
"Ist
ja gut mein Junge. Ich freue mich für Dich. Dann warte
ich also bis es soweit ist."
Bei
diesen Worten blickte sie verstehend auf ihren Sohn und
fragte nur noch: "Aber wenn Du die ganze Nacht wegbleibst,
mein Kind, dann wirst Du es uns schon sagen?" "Ja
natürlich! Mach Dir keine unnötigen Gedanken,
Mutter."
"Danke
Wigo! Wir essen um 2 Uhr, soll ich für Dich auch ein
Gedeck auflegen?" "Ja bitte, Mutter", gab
er zur Antwort.
Pünktlich um 2 Uhr saß Wigo am Tisch und sie
nahmen zusammen die Mittags-malzeit ein. Um 3 Uhr verabschiedete
sich Wigo von seiner Familie und er radelte in Richtung
Westen. Unterwegs dachte er daran, was er schon in kürzester
Zeit alles erlebt hatte und was ihn noch erwarten könnte.
Dabei kam in ihm plötzlich der Gedanke hoch, Luna schon
immer ge-kannt zu haben.
Erschrocken
über diesen Gedanken trat er hart auf die Bremse und
lies sein Rad auslaufen. Es war ihm in diesem Moment so,
als sei er nicht mehr allein auf dem Waldweg. Er hielt das
Rad an und stieg mit einem Fuß ab. Dann schaute er
sich prüfend um, aber er konnte niemanden sehen. Und
doch spürte er deutlich: je-mand ist in seiner Nähe,
ganz dicht neben ihm!
Es
war aber gleichzeitig ein Gefühl des Friedens dabei,
ein deutliches Gefühl der Harmonie, der Zugehörigkeit.
Und dann sah er sie. Sie stand etwa 50 Meter ent-fernt vor
ihm. Luna, sie trug ein rosa Kleid, das leicht im Wind wehte.
Voller Heiterkeit rief er aus: "Hallo Luna, ich freue
mich, daß Sie mir schon entgegengekommen sind!"
Er winkte ihr begeistert mit beiden Händen zu. Dann
stieg er aufs Rad und radelte ihr das letzte Stück
entgegen. Er mußte dabei auf den steinigen Weg auf-passen,
doch als er wieder aufschaute, war sie verschwunden!
Im
ersten Moment war er erschrocken. Aber dann dachte er, sie
stehe hinter der Biegung des Weges. Er trat schneller in
die Pedale. Doch auch an der Weggabe-lung war Luna nicht
zu sehen.
Als
er am Haus ankam, saß Luna draußen auf der Bank
in der Sonne. Es fiel ihm sofort auf, daß sie jetzt
ein blaues Kleid trug. Aber was hatte das schon zu sagen?
Sicherlich war sie schnell nach Haus ge-laufen und hatte
ihr verschwitztes Kleid mit diesem himmelblauen ausgetauscht.
"Hallo",
begrüßte er sie und mußte erst einmal Luft
holen. "Hallo Wigo, Sie sehen erschöpft aus.
Ich werde Ihnen ein Glas frisches Wasser holen."
Er
setzte sich auf die Holzbank und streckte seine Beine aus.
Luna reichte ihm ein Glas Wasser: "Wünschen
Sie sich etwas, bevor Sie das Wasser trinken!"
Er
sah sie verständnislos an und fragte: "Soll das
heißen, Wasser kann Gedanken lesen? Gut, dann wünsche
ich mir, daß ich mich jetzt wieder körperlich
fit fühle." Und mit einem Zug trank er das volle
Glas aus und schaute sie fragend an: "War es so richtig?"
Dabei drehte er noch unschlüßig das Glas in seiner
Hand hin und her.
"Wenn
Sie jetzt noch 'Danke' sagen, ist es komplett,"
meinte sie.
"Er
lächelte in das Glas hinein und sagte ganz kurz: "Danke!"
Dann stellte er das Glas auf den Tisch und lehnte sich zurück.
Dabei verschränk-te er seine beiden Arme hinter seinem
Kopf und sah sie forschend an: "Ich habe Sie vorhin
dort oben am Waldweg gese-hen, aber da trugen Sie noch ein
hellrosa Spitzenkleid!" Er war nun sehr gespannt, wie
sie darauf wohl antworten würde.
"Wie
ich Ihnen schon erklärte, Wigo, werden Seelenaustritt
beherrscht, es kann an jedem Ort der Welt sein. Man nennt
es in esoterischen Kreisen AKE': Außer-Körperliche-Erfahrungen."
"Was
ist Esoterik?" fragte er.
"Vor
einiger Zeit sagte man noch im allgemeinen Sprachgebrauch
'Okkultismus' dazu, abgeleitet vom lateinischen Wort occultus,
was 'verborgen' oder 'geheim' bedeutet. Das Wort Okkultismus
wird heute leider mißverstanden, weil es im Laufe
der Zeit mehr oder weniger zum sinngleichen Begriff für
das Dämonische, für die bösen und dunklen
Kräfte schlechthin geworden ist. Da aber heutzutage
kaum noch okkultes Wissen geheim und verborgen ist und die
dämonischen und dunklen Kräfte in unserer Zivilisation
ganz offen zutage treten, hat der Begriff Esoterik zu Recht
den Platz des Begriffes Okkultismus eingenommen.
Wer
sich heute selbst als Esoteriker betitelt, und damit auch
seine mit ihm verbun-dene Lebensweise bekennt, muß
damit rechnen, in eine gesellschaftliche Randgruppe abgedrängt
zu werden mit all den damit eventuell verbundenen Vorurteilen
und Erschwernissen.
In
früheren Zeiten hatte einmal die Esoterik die gleiche
gesellschaftliche Position eingenommen wie die heutige Wissen-schaft.
Wollte man das Wort Esoterik definieren, würde es lauten:
Wissenschaft von den verborgenen Kräften der Natur
aller Menschen und die göttliche Urkraft die dahinter
steht."
"Wie
kommen Sie eigentlich darauf, daß Wasser Gedanken
lesen kann? Und noch viel wichtiger, daß Wasser Wünsche
erfül-len kann, wie kommen sie darauf Luna, wer erzählt
ihnen so etwas?"
"Nun,
manches kann man in Büchern nachlesen, manches wird
mir von anderen erzählt", sagte Luna. "Dann
müssen Sie ja geradezu ein phänomenales Gedächtnis
haben, wenn Sie sich an all das wieder genau erinnern können?"
"Nein,
so ist es keinesfalls, Wigo. Da ha-ben Sie eine falsche
Vorstellung vom Gehirn eines Menschen. Wenn es tat-sächlich
so wäre wie sie annehmen, daß die Erinnerungen
im Gehirn aufgestapelt sind, so müßten wir einen
Kopf haben, der so groß wie der Ozean ist. Nein, mit
den Gedanken ist es etwas anders. Das menschliche Bewußtsein,
das für das Denken in Frage kommt, hat seinen Sitz
nicht in der Substanz des Hirns, sondern im All.
Jedesmal
wenn der Mensch denkt, setzt er den Kosmos in Bewegung!
Jeder Ge-danke prägt sich als Licht, Farbe und Form
in den Kosmos ein, wo alles seine Existenz bewahrt. Ohne
diese drei Dinge wäre es Ihnen überhaupt nicht
möglich, sich von vielen Dingen eine Vorstellung zu
machen.
Jedesmal
wenn ein Innenarchitekt den Auftrag erhält, eine neue
Wohnung einzu-richten, braucht er seine Phantasie, sein
bildhaftes Vorstellungsvermögen, um seine Kreation
später in die Wirklichkeit umzusetzen. Diese drei Dinge
- Licht, Farbe und Form - sind der Stoff aus dem unsere
Träume sind. Die Bibel nennt die-se Aufzeichnungen
im Kosmos Das Buch des Lebens'. Wenn Sie das einmal
in Ihrer Bibel nachlesen möchten, man findet es in
der Offenbarung Kapitel 17, Vers 8, aber zur gegebenen Zeit
werden wir uns dar-über auch noch einmal unterhalten
kön-nen.
Im
Jenseits können diese selbstgefertig-ten Gedankenbilder
auch von den Ver-storbenen, den im Jenseits lebenden Seelen
wahrgenommen werden. Aus diesem Grunde erfaßt eine
jenseitige Seele, ein verstorbener Mensch also, das Denken
der Erdenmenschen, ganz unab-hängig von seiner Sprache.
Dieser Vor-gang ist auch der Grund dafür, daß
medial veranlagte Menschen, die Kontakt zu Seelen bekommen,
ihnen Antworten ge-ben können die sonst kein fremder
Mensch von einem anderen wissen kann.
Man
nennt das eine 'Totenbefragung', aber die Bibel verurteilt,
ja verbietet sogar jeden Kontakt dazu. Wenn Sie wollen,
Wigo, können Sie das in der Bibel aus-führlich
nachlesen im Alten Testament im 1. Buch Samuel, Kapitel
28, Verse 3 bis 19", sagte
Luna.
"Sie
kennen sich mit der Bibel wohl recht gut aus!"
"Ja,
ja, ich kenne mich in der Bibel gut aus. Die Bibel habe
ich wenigstens schon 40 mal ganz durchgelesen; einzelne
Kapitel und Verse noch viel öfters", antwortete
sie freundlich.
"Und
Ihr anderes Wissen? Ich habe so das Gefühl bei Ihnen,
als wenn sie auch noch eine andere Wissensquelle haben",
gab er als Antwort schmunzelnd zurück.
"Sie
haben recht! Ich lebe im Geiste mit meinem Schutzengel.
Über ihn bekomme ich Kontakt zu den Lichtwesen, den
Geistheilern und Lehrern des Universums. Sie sind die Überbringer
meiner Gebete und Danksagungen an den großen universalen
Geist, den man Gott nennt."
"Ich
verstehe nicht ganz, was Sie damit meinen?" Er schaute
sie dabei erwar-tungsvoll an.
"Es
gibt einige Menschen deren Sinnesor-gane Überreichweiten
besitzen. Man könnte sagen, diese Menschen haben eine
Radarantenne in ihrem Kopf. Es ist so wie ich es Ihnen schon
gestern sagte, daß Gedanken wie Sender und Empfän-ger
sind. So reagiert der menschliche Körper auf Befehle,
die aus dem Gesamtkosmos kommen.
Gott
zum Beispiel ist ein geistiger Sender, der seine Wellen
in das ganze Weltall aussendet und auf unzähligen Frequen-zen
Reaktionen auslöst oder unter Kontrolle hält.
Denn im selben Augenblick, wo Gott seinen Sender ausschalten
würde, würde das ganze Weltall sofort in sich
zusammenstürzen und sich auflösen.
So
wie wir an andere Gedanken aussen-den können, das nennt
man ja Telepathie, so eilen auch Gottes Gedanken durch den
Kosmos. Doch nicht jeder macht sich die Mühe, daß
er diese Wellen empfängt, obgleich dies durchaus möglich
wäre.
Der
Stoff, der zum geistigen Senden gebraucht wird, ist Licht.
Auch das Bewußt-sein und die Tätigkeit der Gedanken
ist Licht, aber nicht das Licht, das wir von der Sonne kennen.
Es ist Gottes Urlicht! Im Urlicht leben Atome und Moleküle.
Jedes X-Teilchen ist lebendig, da es geistig ansprechbar
ist, wenn man die richtige Geistessprache anwendet",
erklärte sie.
"Gäbe
es demnach auch eine falsche Geistessprache?" fragte
Wigo.
"Ja
sicher! Wenn wir Gott als das Positive erkennen und das
Nichtgöttliche als das Negative, dann tritt anstelle
des göttlichen Willens ein anderer Wille ein und dann
verändert sich das geistige Licht langsam hin zur Finsternis.
Darum ist es so wichtig, daß wir auch noch da positiv
denken, wo uns Negativität entgegen schlägt! Aus
diesem Grunde sagte Jesus auch: 'Liebet eure Feinde'."
Nachdenklich
schaute er sie an und sagte dann: "Ich denke gerade
an das Wasser das ich vorhin getrunken habe. Konnten meine
Worte das Wasser tatsächlich be-einflussen? Wie müßte
ich mir das vorstel-len, Luna?"
"Am
Anfang war das Wort," sie lächelte ihn dabei an,
"und alles ist durch das Wort geworden. In ihm war
das Leben. Und darum besteht auch jedes Wort aus Vibra-tionen,
aus Schwingungen, Licht und Farbe und manifestiert sich
in die Dinge, auf die wir unsere Gedankenschwingun-gen senden.
So
können wir vereinfacht auch Worte oder Schriftzeichen
auf ein Papier schrei-ben und es unter ein Glas Wasser stellen
und das Wasser wird die Schwingungen des Wortes oder der
Zeichen aufnehmen, so eben, wie wir ein Wort gedanklich
behandeln.
In
der alternativen Heilkunde Reiki wird mit Schriftzeichen
gearbeitet. Die Schrift-zeichen übernehmen die Schwingungen
der vorrauseilenden Gedanken und manifestieren sich in das
Objekt das zu heilen ist. Eine andere Art Wasser zu beeinflussen
ist es, das Wasser zu magnetisieren; und dann kann Wasser
tatsächlich wie Limonade schmecken."
Nachdenklich
schaute er vor sich hin. Seinen Blick hatte er in die Ferne
gerichtet.
Sie
saß still in ihrem Gartensessel und ließ ihn
in seinen Gedanken allein, denn sie sah, daß sein
Geist sich vom Körper gelockert hatte. Seine Aura strahlte
hell-blau um seine Körper herum und über seinem
Kopf wölbte sich wie ein Turban die Aura auf und kleine
Partikelchen von dunkelblauen Pünktchen waren darin
zu sehen. An beiden Seiten seiner Aura waren große
gelbe Wolkenfelder mit dun-kelgrünen Punkten zu sehen.
Im unteren Bereich seines Körpers sah sie links und
rechts ein herrliches Orangerot.
Gerade
als sie in Gedanken seine Aura-farben analysieren wollte,
hörte sie seine Stimme lachend sagen: "Oh ich
bin wohl etwas eingenickt!"
Mit
einem wissenden Lächeln entgegnete sie: "Vielleicht
sollten Sie sich mehr Ruhe gönnen? Und jetzt, wo Sie
Urlaub haben, wäre das doch wohl die kleinste Übung?
Erzählen Sie mir doch mal wie es Ihnen gestern Abend
ergangen ist als Sie mit den Zylindern in der Hosentasche
nach Hause radelten?"
"Ja,
es war recht eigenartig", antwortete er. "Mir
war, als wenn ich von meinem Fahr-radsattel durch eine unsichtbare
Kraft emporgehoben würde. Ich hatte ein Ge-fühl
von wohltuender Leichtigkeit."
"Da
sind Sie einer der wenigen Menschen, die gleich so empfinden
können, Wigo. Denn diese Gruppe von Menschen ist nicht
sehr zahlreich. Die meisten Men-schen verspüren Wärme
und Kälte und ein pulsierendes Kribbeln in den Händen
beziehungsweise in dem Bereich, in dem sich die Stäbe
befinden.
Ein
russisches Institut hat die Zylinder nach alten ägyptischen
Angaben nachge-baut. In einem Labor für Biophysik wurden
durch eine Computeranimation der Zu-stand der inneren Organe
einer Ver-suchsperson durch grüne Streifen als der
normalen Zustand der Organe, und rote und blaue Streifen
als Abweichungen davon wiedergegeben. Selbstverständlich
hat jeder Mensch Abweichungen. Aber nun geschah etwas merkwürdiges:
Nach einigen Minuten bewegten sich alle Punk-te bei den
Versuchspersonen, die die Zylinder in den Händen hielten,
in den grünen Bereich. Demnach zu urteilen verhelfen
die Zylinder jeden Menschen zu einem harmonischen Allgemeinzustand."
Gedankenversunken
erhob sich Wigo. "Ich muß jetzt gehen, Luna.
Aber ich habe eine große Bitte an Sie. Ich kann es
ver-stehen, wenn Sie nein sagen, aber dennoch ich...",
sie unterbrach ihn in seinen Worten und sagte: "Ich
bin einverstanden, Wigo. Bringen Sie Ihre Sachen mit. Ich
erwarte sie dann morgen Nachmittag um 5 Uhr hier."
Bei diesen Worten reichte sie ihm ihre Hände entgegen.
Er nahm sie in die seinen und hielt sie eine Weile fest.
Dabei empfand er ein Gefühl von herzlicher Wärme
und er entgegnete freudig und ganz langsam: "Ich liebe
Dich!"
Sie
erwiderte seinen Blick und sagte ganz innig:
"So
war es schon immer !"
Langsam
ließen sie ihre Hände los und er ging drei Schritte
zurück, sie immer noch ansehend. Beiden lächelten
sich an. Er ging, dann schaute er noch einmal um und winkte
ihr zu. Erst dann drehte er sich endgültig um und radelte
davon.
Fortsetzung
Wigo 2. Teil